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SCIENCE TALKS

Michael Hartmann: Von wegen Leistung - Geborene Eliten

Science Talk 13, Mi. 30.05.2007, 19.30 Uhr, Neue Galerie Graz, Salon

Um die Gerechtigkeit oder das "gute Leben" ist es in den vergangenen 15 Jahren still geworden. Stattdessen werden wieder Sieger und Macher verehrt; Elite-Menschen also, die der Gesellschaft ihren Stempel aufzudrücken verstehen. Dabei wird die Elite allerdings sehr liberal und aufgeklärt vorgestellt: Nach landläufiger wie wissenschaftlicher Meinung gehören ihr vor allem Menschen an, die bestimmte Leistungen auf wirtschaftlichem oder etwa wissenschaftlichem Gebiet erbracht haben (auch wenn es "Ausreißer" geben mag, die durch Protektion und Beziehungen in ihre Position gelangt sind; doch diese bilden nach dieser Meinung nicht die Mehrheit). Die Eliten sind also gleichsam "Leistungs-Eliten". Weshalb es sich mit ihnen leben lässt; zumindest dann, wenn alle die gleichen Bildungs- und Entwicklungschancen haben – was dank der "Bildungsoffensive" der 1970er Jahre aber durchaus der Fall sein sollte. Doch dieses aufgeklärte Eliten-Bild ist, wie der deutsche Soziologe Michael Hartmann gezeigt hat, eine Illusion: Denn abgesehen davon, dass die – für die Einnahme von Spitzenpositionen absolut notwendige – Promotion oft den Kindern des gehobenen Bürgertums und Großbürgertums vorbehalten bleibt, erfolgt die "Rekrutierung" des Eliten-Nachwuchses über ein Moment der sozialen Herkunft, das – anders als divergierende Bildungschancen – nicht über gesellschaftspolitische Maßnahmen verändert werden kann, nämlich über den Habitus. Speziell in die Wirtschafts-Eliten finden nur diejenigen Zugang, die von klein auf Werte und Lebenshaltungen der (groß-)bürgerlichen Welt internalisiert haben und ganz selbstverständlich mit ihnen umgehen können. Was Beamten- oder Arbeiter-Kindern freilich nicht möglich ist. Ein Eliten-Dasein hat – wenigstens in der Wirtschaft, aber auch in der Wissenschaft und Verwaltung – folglich viel mit "Vererbung" und weniger mit Leistung zu tun. Was in Zeiten von Elite-Universitäten, Elite-Schulen und Elite-Betrieben zu denken gibt. Und deshalb in ScienceTalk Nr.13 zum Thema gemacht wird.


Michael Hartmann:

Michael Hartmann 

Michael Hartmann ist Professor für Soziologie an der Technischen Universität Darmstadt. Neben Management-, Industrie- und Organisationssoziologie bildet die Eliteforschung sein zentrales Arbeitsgebiet, der sein bislang letztes Buch, "Elitesoziologie" (Campus,2004), gewidmet ist. Einem breiteren Publikum bekannt wurde Michael Hartmann u.a. mit "Der Mythos von den Leistungseliten. Spitzenkarrieren und soziale Herkunft in Wirtschaft, Politik, Justiz und Wissenschaft" (Campus, 2002), die das Ergebnis eines großangelegten Forschungsprojekts dokumentiert: Rund 6.500 Promovierte aus den Jahren 1955 / 1965 / 1975 / 1985 aus den Ingenieurs-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften wurden auf ihre Herkunft und Karriere hin untersucht. Mit dem Ergebnis, dass offensichtlich ein bürgerlicher Familienhintergrund für den Aufstieg in die Elite nach wie vor notwendig ist. Zu den weiteren Publikationen gehören u.a. "Topmanager. Die Rekrutierung einer Elite" (1996) oder "Juristen in der Wirtschaft" (1990).

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