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Neue Galerie Graz SCIENCE TALKS |
Sergio Bologna: Die "neuen Selbständigen" und die problematische Welt der Arbeit nach der Lohn-Arbeit Science Talk 14, Mi. 12.09.2007, 19.30 Uhr, Neue Galerie Graz, Salon Ungerechtigkeit und Ungleichheit sind das Thema der diesjährigen "herbst"-Ausstellung der Neuen Galerie Graz. Der Fokus liegt dabei vor allem auf der Weltwirtschaft und auf dem Welthandel, oder konkreter: auf den Verwerfungen, die dieser speziell für die Länder des Südens produziert. Ungleichheit und Ungerechtigkeit sind aber auch in so gut wie allen europäischen Staaten längst wieder ein Thema; auch in Österreich. Allerdings werden nur allzu oft bloß sinkende Gehälter oder Lohndisparitäten mit diesem Thema in Verbindung gebracht. Weniger Aufmerksamkeit erhalten hingegen die unzähligen "neuen Selbständigen", die sich aus Lohnverhältnissen verabschiedet haben (oder aus solchen verabschiedet wurden) und nun auf eigene Verantwortung und eigenes Risiko wirtschaften. Gerade diese "neuen Selbständigen" sind für den italienischen Soziologen Sergio Bologna jedoch ein Schlüssel zum Verständnis der gerade stattfindenden gesellschaftlichen Umbrüche: Nicht die "globalization" sondern vielmehr die "domestication" stellt seiner Ansicht nach die wirklich wichtige Veränderung der Organisation von Arbeit in der Gegenwart dar. Womit jene Entwicklung gemeint ist, die immer mehr Menschen von zu Hause aus als Zulieferer oder Kleinproduzenten oder was auch immer alle möglichen Tätigkeiten ausüben lässt. Und zwar nur allzu oft unter permanentem Existenzdruck und unter der Investition von immens viel Zeit – ohne dennoch eine Chance zu haben, mit ihrem Verdienst überleben zu können. Über die "neuen Selbständigen" ist so nicht nur unter den Kategorien "Ungleichheit" und "Ungerechtigkeit" zu diskutieren; es gilt auch zu begreifen, welche gewaltigen Kapital- und Ressourcen-Vernichtungen in diesem Hoch-Risiko-Existenzfeld mitunter der Fall sind. Weshalb es, so Bologna, weder dem Staat noch sonst wem egal sein darf, wie es dieser Gruppe von Menschen geht, weil der Preis für diese Gleichgültigkeit langfristig "der ökonomische Abstieg des Landes" ist. Die "Arbeit nach der Lohn-Arbeit" muss deshalb thematisiert werden – was ScienceTalk Nr. 14 tut. |
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Sergio Bologna: | |
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Sergio Bologna war Professor für Soziologie in Padua und arbeitet nun als Soziologe, Unternehmer und Berater in Mailand. Bekannt wurde Sergio Bologna vor allem als Vertreter des "Operaismus", einer marxistischen Strömung im Italien der 1960er Jahre, das die "kämpfenden Subjekte" als Motoren der (Geschichts-)Entwicklung betrachtet. In den 1990er Jahren war er einer der ersten, der Überlegungen zur "neuen Selbständigkeit" anstellte; seine "10 Thesen" wurden weit über Italien hinaus diskutiert. Seine 11. These erschien in dem Buch "Die Zerstörung der Mittelschichten. Thesen zur neuen Selbständigkeit", das 2006 im Grazer Nausner & Nausner Verlag publiziert wurde und die Basis von ScienceTalk Nr. 14 bildet. |
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