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SCIENCE TALKS

Hermann Lang: Pyschoanalytischer (Klinik)Alltag,1: Das Symbolische, sein "Einbruch" und die Folgen

Science Talk 07, Do. 23.03.2006, 19.30 Uhr, Spiegelsaal der Neuen Galerie Graz

Hermann Lang hat u.a. bei Hans-Georg Gadamer Philosophie und bei niemand Geringerem als Jacques Lacan Psychoanalyse studiert. Nicht zufällig stehen deshalb Gespräch und Sprache im Mittelpunkt seiner therapeutischen Arbeit. Konstituiert die Sprache schlechthin menschliche Selbst- und Welterfahrung, müssen auch psychische Störungen – und hier folgt Lang der Psychoanalyse Lacans – mit Störungen dieses symbolisch-sprachlichen Weltbezugs zusammenhängen. Als gegen Ende des 19. Jhs. Krankheit nur noch als apersonales, allein durch Naturgesetze erklärbares Geschehen erschien, Medizin zur "stummen Medizin" geworden war, entdeckte die Psychoanalyse, dass es Krankheiten gibt, die "sprechen", aber keine andere Sprache gefunden haben, als die der seelischen oder körperlichen Störung. Wenn nun Neurose, Psychosomatose und Psychose mit in Störungen der für das menschliche Dasein konstitutiven sprachlich-kommunikativen Bezüge gründen, ist es dann auch möglich, in einer sprachlich-kommunikativen, "therapeutischen" Beziehung zu "entstören". Die klinische Praxis hat Hermann Lang wieder und wieder bestätigt, dass es genau ein "Einbruch" dieser symbolisch-sprachlichen Dimension des Menschen ist, die mit psychischen Erkrankungen einhergeht. Etwa im Falle der Schizophrenie, in der die symbolische Distanzierung aus der "narzisstischen Dyade" (von Mutter und Kind) nicht gelungen ist. Diesen "Einbrüchen" wie auch entsprechenden therapeutischen Ansätzen gilt es gemäß den Shakespeare Versen, "Gib Worte deinem Schmerz: Gram, der nicht spricht, presst das beladene Herz, bis dass es bricht", Aufmerksamkeit zu schenken – was Science Talk 07 tut.


Hermann Lang:

Hermann Lang 

Prof. Dr.med. Dr.phil., Psychiater, Psychoanalytiker und Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Bis zu seiner Emeritierung 2004 Vorstand des Instituts für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg. 1960–1968 Studium der Medizin, Philosophie und Psychologie in Heidelberg und Paris. In Heidelberg vor allem Hermeneutik und Phänomenologie bei Hans-Georg Gadamer, in Paris Psychoanalyse bei Lacan, Philosophie bei Ricoeur, Psychiatrie bei Henry Ey. 1969–1971 tätig an der Sorbonne, am Département de Philosophie (Foucault, Deleuze) und am Département de Psychanalyse der Faculté Paris-Vincennes sowie an der École Freudienne de Paris (Lacan-Schule) und bei Lacan. Einziges deutsches Mitglied der École Freudienne de Paris.
Publikationen u.a.: Die Sprache und das Unbewusste, Suhrkamp, Frankfurt/Main 1998 (1973); Strukturale Psychoanalyse, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2000; Das Gespräch als Therapie, Suhrkamp, Frankfurt/M. 2000; Wirkfaktoren der Psychotherapie (Hg.), Königshausen & Neumann, Würzburg 2003 (1990).

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