Im Studio der Neuen Galerie gibt es 2004 einem Schwerpunkt des Mediums Skulptur. Gerade in den letzten
Jahren haben sich viele bemerkenswerte aktuelle Ansätze dieses so traditionell anmutenden Mediums ergeben. International wie
österreichweit werden diese Entwicklungen heftig rezipiert. Man denke nur an Künstler wie Björn Dahlem, Olafur Eliasson oder
den Österreicher Erwin Wurm.
Nach Zeiten in denen sich der Skulpturbegriff in Raum- bzw. Medieninstallationen auflöste, scheint es gerade in letzter Zeit
in der jüngeren und jüngsten Generation von Künstlerinnen und Künstlern zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der
Skulptur als Objekt, als Materialisation einer Idee nach selbstauferlegten Regeln, zu kommen. Diese Form der Skulptur folgt
nicht einem bestehenden Phänomen in der Malerei, wie es bspw. in den 1980er Jahren mit der "Neuen Plastik" in
Anlehnung an die "Neue Malerei" war. Es ist nicht eine bestimmte Ästhetik, die als Merkmal existiert, vielmehr ist
es die Vielfalt der skulpturalen Möglichkeiten, die gleichzeitig existieren. Durch die Erfahrung mit den neuen Bildmedien
wird die Struktur der Gleichzeitigkeit in vielen unterschiedlichen Bereichen wirksam, so auch in der bildenden Kunst. Dazu
kommt noch die gegenseitige Bereicherung durch die Kategorien Fotografie, Malerei, Zeichnung und Skulptur. Die Angst vor
postmoderner Beliebigkeit scheint abgelegt zu sein und man bedient sich selbstverständlich der Errungenschaften der
Objektkunst, der Minimal-Art, der Arte Povera, der narrativen, gegenständlichen oder verschiedenen Formen der kinetischen
Kunst. Die Tatsache dass sich eine Skulptur bewegt, ist nicht mehr die Sensation, vielmehr wird nach den sozialen und
ästhetischen Kontexten gefragt, warum bspw. eine Skulptur sich bewegt, wobei es durchaus auch zu comicartigen Ausformungen
kommen kann.
Im Studio der Neuen Galerie Graz findet seit 1998 ein Schwerpunkt zum Medium Zeichnung statt, die hier als kleines Segment einer vielfältigen und vielschichtigen
Entwicklung in der österreichischen jüngeren Kunst gezeigt werden soll.
Es ist dabei an eine Art der Zeichnung gedacht, die verwandt ist mit Comics, mit trivialer Illustration, also mit weitgehend vorhanden optischen Reizen arbeitet. Die Zeichnung ist
trotz ihrer Einfachheit und ihrer langen Tradition nicht als obsolet zu bezeichnen. Sie ist als spontanes, sehr subjektives Medium interessant geblieben.
Gerade die jüngere Generation, die mit Comics und Fernsehen aufgewachsen ist, macht diese Einflußsphäre in ihrer Kunstausübung ständig sichtbar.
Nahezu alle KünstlerInnen dieser Generation haben sich mit Comics beschäftigt, als Leser, Sammler etc.
In der Kunstgeschichte hat nicht nur die Pop-Art (Warhols Begeisterung für Walt Disney ist bekannt) diesen Bereich als wichtig erkannt. Künstler von Haring bis
Pettibon oder von Kippenberger bis Sue Williams lassen eine ständige Beschäftigung mit "Bildgeschichten" sowie eine Entwicklung auf diesem Gebiet,
erkennen. Auch die Tatsache, daß Vertreter einer subkulturellen Ebene (Tom of Finnland, Eric Stanton etc.) zu Galerie- und Museumsehren kamen und kommen, weist darauf
hin, daß sich hier zwischen Trivialität und Kunst eine höchst spannende Schnittstelle ergibt.
Auch Österreich hat von Kubin bis Brus oder Steiger eine lange Tradition von narrativen Ansätzen in der Zeichnung.
Die Zeichnung ist also durch die elektronischen Medien nicht nutzlos geworden, sondern sie bedient sich selbstverständlich auch jener Strukturen. Spontaneität,
rasche Abfolge von Bildern sowie der Transport von Wort und Bild in hoher Quantität sind Phänomene, die wir auch von den elektronischen Medien als bezeichnend
kennen.
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