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| Hannes Priesch Just for You
Der 1954 in Eggersdorf/Graz geborene Hannes Priesch war in den 80er Jahren einer der wesentlichen Vertreter jener jungen
Künstlergeneration von Anzinger, Brandl, Mosbacher bis Schmalix, die unter dem Begriff der Neuen bzw. Wilden
Malerei Furore machte. Priesch, der schon früh durch experimentelle Ausstellungen in der Wiener Galerie nächst
St. Stephan aufgefallen war, verfolgte aber immer einen konzeptuellen Weg, indem er sich mit dem Ausstieg aus dem
konventionellen Tafelbild und der Überschreitung der Grenzen traditioneller Bild- und Trägermedien
auseinandersetzte. Das Bild wurde entrahmt und die Leinwand skulptural eingesetzt. Die Farbe wurde substanzialisiert und
erhielt damit Objektcharakter. 1990 erhielt Priesch das Chicago-Stipendium des Bundesministeriums für Kunst und
lebt seither in New York. In den 90er Jahren verstärkten sich die Tendenzen zu einer konzeptuellen Malerei, indem
Priesch das Medium im erweiterten Feld der Skulptur in seriellen Installationen reflektiert.
Die aktuelle Arbeit "Just for You", ein Wandbild im Stiegenhaus der Neuen Galerie, besteht aus 111
schwarz/weißen Tuschzeichnungen und einem orangeroten Neonzeichen. Die Zeichnungen und das Zeichen variieren beide
die suggestive Formel "Just for You" in verschiedenen Schrifttypologien von manieriert bis klar
konstruiert. Es gibt keinen Satz, der repräsentativer für die Konsumkultur und deren Betrug wäre, als die
persönliche Anrede "Just for You". Custom design, für den Kunden speziell adaptiert, heißt das
trügerische Versprechen jener Branche, deren Ziel der Verkauf von Massenware an die Massen ist. Die Welt ist
"nur für dich" da, lautet die Zauberformel der Werbeindustrie. Mit diesem Slogan der Einzigartigkeit und
Individualität adressiert sich paradoxerweise die Industrie der Massenproduktion an die Massen. Das Produkt sei
für den Einzelnen persönlich "Just for You" adaptiert. Ein Code, der uns in scheinbar
persönlicher, selektiver Weise über Werbung, Fernsehen, Printmedien verführen soll, Massenware zu kaufen,
stellt sich in Wahrheit als ein kollektiver konsumstrategischer Code dar.
Ein konstitutives Element der Installation für die Dekonstruktion dieses massenmedialen Codes, der sich als
privater maskiert, ist ein Container, der in der 1. Lage das Neonzeichen, in der 2. Lage die 111 Tuschzeichnungen und
in der 3. Lage Werkzeug für das Installieren der Arbeit, eine Flasche Bourbon Whiskey "Maker’s Mark"
sowie zwei Metallfaltbecher enthält. Der dreilagige Container birgt das Alphabet der Dekonstruktion, die
Gebrauchsanweisung. Jeder kann kommen, den Container öffnen und aus dem Alphabet = dem Bausatz im Container ein
Werk konstruieren. Der Künstler als möglicher Produzent der Arbeit wendet sich direkt an den Betrachter, wobei
offengehalten bleibt, in welcher Rolle dieser sich wiederfinden möchte, als Produzent oder Betrachter. Die
Anordnung des Neonzeichens und der 111 an der Wand angebrachten Zeichnungen ist von Ort zu Ort variabel. Ein Umgestalten
während der Ausstellung durch den Betrachter wäre durchaus im Sinne des Künstlers. Gestalte deine
Ausstellung "Just for You"!
Christa Steinle |
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Kuratorin: Christa Steinle
Hannes Priesch, geb. 1954 in Eggersdorf, lebt in New York
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