| |
Kataloge | Homepage |
![]() Thomas Ender, "Rio de Maranhao und Serra das Figuras" Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste, Wien |
|
| Die Brasilien-Expedition |
|
Einführung: Gloria Kaiser (Autorin, Graz - Salvador - Rio de Janeiro) Eröffnung: Freitag, 14. Juli 2006, Ausstellungsdauer: 15.07. - 24.09.2006 Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Do 10-20 Uhr Ausstellungsort: Neue Galerie |
|
Rahmenprogramm: Do, 03.08., 18.30: Lesung von Gloria Kaiser aus ihrem Buch "Dona Leopoldina", Styria Verlag, Graz 1997 Do, 24.08., 18.30: Sonderführung mit der Kuratorin und Gloria Kaiser So, 24.09., 16.30: Sonderführung mit der Kuratorin und Gloria Kaiser |
|
1817 wurde die Habsburger Prinzessin Leopoldine - aus politischen Gründen und auf Anraten Fürst Metternichs - mit dem zukünftigen Herrscher des "Vereinigten Königreichs von Portugal, Brasilien und Algarabien", Dom Pedro, verheiratet. Aus diesem Anlass ließ Kaiser Franz I. eine große naturwissenschaftliche Expedition ausrüsten, die die Braut auf ihrer Reise in ihre neue Heimat Brasilien begleiten sollte. Der Wiener Maler Thomas Ender, der spätere Kammermaler Erzherzog Johanns, war 23 Jahre alt, als er Fürst Metternich bat, als Landschaftsmaler die Expedition begleiten zu dürfen. In weniger als einem Jahr entstanden 782 außergewöhnliche Aquarelle und Zeichnungen, die sich heute im Kupferstichkabinett in Wien befinden. Ender hatte an der Akademie der bildenden Künste studiert, wo er sich schon bald auf das Landschaftsaquarell spezialisierte. Anstelle der früheren idealisierten, romantischen Landschaftsdarstellungen ging es nun um eine möglichst realistische, quasi dokumentarische Erfassung - Ender sprach von einer "Aufnahme" der Landschaft, und man kann diesen Anspruch auf eine wahrhaftige Repräsentation als Vorläufer der 1839 erfundenen Fotografie sehen. Am 10. April 1817 stachen die beiden Fregatten "Austria" und "Augusta" in See. Ender begann sofort mit der Arbeit, dokumentierte das Schiff, das Leben an Bord, mit der Harpune fischende Seeleute, lesende Gelehrte in der Mittagshitze, die Kühe und Schafe, die neben den Kanonen untergebracht waren oder fertigte Küstenpanoramen an. Nach 92 Tagen, am 14. Juli 1817 landete die "Austria" in der Guanabara-Bay vor Rio de Janeiro, der damaligen Hauptstadt Brasiliens. Ender schrieb: "Es tat sich für mich eine neue Welt auf, ich zeichnete Tag und Nacht." Er bildete, neben stimmungsvollen Landschaftsansichten, die das Licht Brasiliens einfingen, das bischöfliche Palais, auf einer Anhöhe über Rio gelegen, ab, oder die Fahrt des Prinzenpaares zur Sommerresidenz Boa Vista, das Aquädukt und die Altstadt von Rio, den Zuckerhut, er dokumentierte das Alltagsleben auf der Straße und die Bewohner - Geistliche, aneinandergekettete schwarz-afrikanische Sklaven, ihre Aufseher, Viehtreiber, Chinesen auf den Teeplantagen, Obstverkäufer, Wasserhändler, Soldaten, Mulattinnen ebenso wie die reiche portugiesische Oberschicht. Ein Fieberanfall zwang Ender früher als geplant, schon am 1. Juni 1818, mit dem Schiff nach Österreich zurückzukehren. Das reiche Bildmaterial, das er mitbrachte, ist nicht nur von großem künstlerischen Wert, sondern stellt auch - nicht zuletzt für die Geschichtsforschung Brasiliens - eine unschätzbare Quelle für die Entdeckung einer versunkenen Epoche dar. Die Neue Galerie freut sich sehr, erstmals eine Auswahl dieser Zeichnungen und Aquarelle aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts in Graz präsentieren zu können. |
|
| |
Kataloge | Homepage |
| © Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Sackstraße 16, A-8010 Graz - Austria; Öffnungszeiten: DiSo 1018 Uhr, Do 1020 Uhr; Tel.: (+43) 0316 / 829155, Fax: (+43) 0316 / 815401, |